Mit einer neuen Methode: Das nächste Schwarze Loch entdeckt

Erdnächstes Schwarzes Loch mit neuer Methode entdeckt

11.08.2022 09:59

Schwarze Löcher faszinieren nicht nur Experten. Die jüngste Entdeckung davon ist nicht einmal 1600 Lichtjahre von der Erde entfernt und damit dem Heimatplaneten am nächsten.

In einer Entfernung von weniger als 1600 Lichtjahren von der Erde haben Wissenschaftler einen Kandidaten für das bislang nächstgelegene Schwarze Loch entdeckt. Das Objekt umkreist einen Stern im Sternbild Schlangenträger, der unserer Sonne ähnelt, berichten sie im Fachblatt „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“. Es gebe kein plausibles astrophysikalisches Szenario, “das die Umlaufbahn erklären kann und nicht mit einem Schwarzen Loch zusammenhängt”. Mit der neuen Methode hofft das Team, in den kommenden Jahren weitere Entdeckungen dieser Art zu machen.

Bei Schwarzen Löchern ist die Masse auf ein extrem kleines Volumen konzentriert. Supermassive Versionen sind wahrscheinlich in den Zentren aller großen Galaxien zu finden, sagen Wissenschaftler um Kareem El-Badry vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg und dem Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge.

Schwarze Löcher mit stellarer Masse – zwischen fünf- und hundertfacher Sonnenmasse – sind viel häufiger. Es wird geschätzt, dass es allein in der Milchstraße etwa 100 Millionen gibt; Bisher wurden nur wenige bestätigt. Meist handelt es sich dabei um aktive Objekte, die im Röntgenlicht leuchten, das vermutlich jetzt entdeckte Schwarze Loch hingegen ruht und ist daher deutlich schwerer zu entdecken.

Kleine Positionsänderungen

Dabei nutzten die Forscher Daten der Raumsonde „Gaia“ der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) sowie gezielte Messungen mit Teleskopen. Kleine Änderungen in der Position des Sterns zeigten die Anwesenheit des Begleitobjekts. Das Schwarze Loch „Gaia BH1“ sei weniger als halb so weit entfernt wie das nächste bekannte Objekt, sagte er. Er hat eine Masse von etwa zehn Sonnenmassen und umkreist den sonnenähnlichen Stern mit einer Umlaufzeit von 185,6 Tagen und etwa dem durchschnittlichen Abstand zwischen Erde und Sonne.

Die Astrometrie-Mission „Gaia“ ist für hochpräzise Messungen von Sternpositionen konzipiert. Wo sich zwei Objekte umkreisen, beschreibt jedes für sich allein eine kleine Ellipse am Himmel. Anhand von Bahndaten sogenannter Doppelsternsysteme suchten Wissenschaftler gezielt nach Kandidaten für Schwarze Löcher.

„Obwohl es viele angebliche Entdeckungen dieser Systeme gegeben hat, wurden fast alle später widerlegt“, erklärte El-Badry. „Dies ist der erste eindeutige Nachweis eines sonnenähnlichen Sterns in einer weiten Umlaufbahn um ein Schwarzes Loch mit stellarer Masse in unserer Galaxie“, sagt er. Ein Lichtjahr ist die Entfernung, die Licht in einem Jahr im Vakuum zurücklegt: 9,46 Billionen Kilometer.

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