Professor Wedemeyer: Hepatitis-C-Therapie ist eine „fast einzigartige Erfolgsgeschichte!“

Neu-Isenburg. Fortschritte in der Behandlung von Patienten mit chronischer Hepatitis C sind eine fast einzigartige Erfolgsgeschichte in der Medizin. Daran erinnert Professor Heiner Wedemeyer, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie an der Medizinischen Hochschule Hannover, im „ÄrzteTag“-Podcast anlässlich des Welt-Hepatitis-Tages am 28. Juli.

„Jetzt können wir die virale Hepatitis C innerhalb von acht bis zwölf Wochen mit nebenwirkungsfreien Tabletten heilen“, betont Wedemeyer. Die Wirkstoffe, Medikamente mit direkter antiviraler Wirkung (DAA), wurden 2014 eingeführt und 2018 optimiert. „Und dann kam die große Frage auf: Lassen sich die sehr positiven Berichte aus den Studien wirklich auf die reale Phase III übertragen? Wie das geht.“ prospektiv in Deutschland verifiziert werden?”

“Ein Spiegelbild des Hepatitis-Panoramas im Gesundheitswesen”

Als Reaktion darauf wurde das Deutsche Hepatitis-C-Register gegründet, das seit 2014 von der Deutschen Leberstiftung über die Leberstiftung GmbH Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Berufsverband niedergelassener Gastroenterologen in Deutschland geführt wird. Seitdem wurden mehr als 18.000 Patienten in das Register aufgenommen.

Einiges ist für Wedemeyer etwas ganz Besonderes: „In der ersten Phase waren mehr als 300 niedergelassene Ärzte Teil unseres Netzwerks. Gemeinsam mit den Ärzten der Klinik bilden wir die Hepatitis-C-Versorgungslandschaft in Deutschland wirklich ab!“

Zweiter besonderer Punkt für Wedemeyer, der auch Geschäftsführer der Registry ist: Qualitätskontrolle und Datentracking. Folglich seien die Daten nicht nur zahlreich, sondern auch sehr valide, betont er.

Anhand dieser Daten aus dem Register konnten Mediziner im November vergangenen Jahres bestätigen: „Was in Phase-III-Studien erhoben wurde, stimmt im wirklichen Leben! Sie sind bei 98 Prozent der Patienten sicher und wirksam, selbst bei bestimmten Patientengruppen wurden nicht in die Phase-III-Studien aufgenommen.” (Dtsch Arztebl Int 2021; 118:797-8)

Wie oft tritt HCC nach Hepatitis auf?

Ein Beispiel für diese Sonderfälle sind ältere Menschen. In vielen DAA-Studien lag das obere Einschlussalter bei 70 Jahren. “Aber wie sieht es in der Praxis aus, wenn ich einen 73- oder 75-Jährigen mit Hepatitis C habe?”

Schließlich müssen bei älteren Patienten mehrere Faktoren berücksichtigt werden, wie z. B. eine andere Physiologie in Bezug auf den Arzneimittelstoffwechsel, Toxizitäten aufgrund möglicher Überdosierungen oder Wechselwirkungen mit Arzneimitteln.

Eine der Fragen, die das Team des Hepatitis-C-Registers derzeit untersucht: Wie oft erkranken Patienten mit Hepatitis C, die geheilt sind, an einem hepatozellulären Karzinom (HCC)? „Wir konnten zeigen, dass Karzinome seltener auftreten, als wenn das Virus nicht ausgerottet wird. Aber das Risiko ist nicht gleich null!“

In der Praxis bedeutet dies, dass es wichtig ist, den Patienten auch dann weiter zu überwachen, wenn das Hepatitis-C-Virus nicht mehr vorhanden ist. „Jeder Patient mit beispielsweise einer Leberzirrhose bleibt unabhängig von der Ursache einem Risiko für Leberkrebs ausgesetzt. Es ist sehr wichtig, diese Karzinome frühzeitig zu entdecken, um kurative Therapieoptionen zu haben!“

Das Team rekrutiert derzeit keine neuen Patienten oder behandelnden Ärzte für das Hepatitis-C-Register, aber: Wedemeyer baut bereits ein neues Fettleber-Register auf. “Wir sammeln derzeit Patientendaten und behandeln dort Ärzte. Wir haben noch keine 18.000 Patienten zusammen, unser Ziel ist es hier, 1.000 und schließlich 5.000 Patienten zu sammeln.” (Dauer: 20:21 Minuten)

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *